Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 307)
- Language
- German
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287 „Hör' auf! hör' um Gottes Willen auf, Bella", rief David Brod, noch ehe die letzten Töne verklungen waren. Der Baß aber sagte: „Willst Du wissen, David Brod, wie mir unser Kadisch vorkommt, wenn ihn Dein Kind singt? Du erinnerst Dich noch an den Schnorrer, der uns den Gesang gelehrt hat, an die schwarzen Ringellocken und an die hohe Pelzmütze, und an ben schmutzigen Kaftan, der seinen Leib bedeckt hat. So ist er mir wieder vor den Augen gestanden, bevor Dein Kind angefangen hat. Jetzt aber war es mir, als hätte er eine glänzende Krone auf seinem Kopse gehabt, und um den Leib herum flatterte ein weites prächtiges Gewand, und aller Schmutz war verschwunden, und er war wahrhaft schön geworden." David Brod hatte sein Haupt gesenkt; schwere Thränen rollten über seine Wangen; er suchte sie nicht mehr zu verbergen. „Was willst Du vor mir noch beweisen, Feiwelmanu," sagte er, in seinem ganzen Wesen gebrochen, „was nicht mehr bewiesen zu werden braucht?" Dann rief er das Kind zu sich: „Komm' her", sagte er, „ich will Dich heute schon benschen . . denn morgen gehen wir zum Grasen . . und da gehörst Du nicht mehr mir!" Ueber das Haupt des Kindes, der künftigen Künstlerin, flössen die uralten, heiligen Segensworte: „Der Engel, der mich erlöst hat aus allem Nebel, er segne dieses Kind, und genannt werde an ihm mein Name And der Name meiner Mütter Sarah, Rebekka, Leah und Rachel."-