Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 299)
- Language
- German
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279 damit mich und die tausend Andern an dem Verborgensten des Gemüthes packt und uns zur Bewunderung und zur Frömmigkeit sortreißt. Und wenn ich es auch nicht kann, und Millionen Andere nicht, was thut das, David Brod? Wenn i ch auch in Unwissenheit und Finsterniß herumgehe, und Millionen Andere, die mir gleichen, tappen auch herum und haben kein Licht? Was zählt das? Wenn nur der Eine, dem Gott es gegeben, das Licht hat, wenn nur der Eine das kann, was ich und die Anderen nicht können! Da ist er ja gleichsam für mich ein Dolmetsch und Fürsprecher bei Gott; der Eine zeigt wie groß der Mensch werden kann, und in ihm bin ich ja auch groß und ein Künstler — vor Gott!" Nach diesen Worten war eine tiefe Stille in der Stube eingetreten: man formte fast das leise Fächeln der Kerzenflamme vernehmen. Und wie eine jähe Lohe war es in des Vorbeters Seele aufgestiegen. Das volle Verständniß des eben Gehörten war ihm aufgegangen. Das Käppchen war ihm vom Haupte gefallen; er merkte es nicht, daß er baarhaupt vor Feiwelmann stand. Es schien, als hätte ihn zum Erstenmale, seitdem er den „Baß" kannte, ein Gefühl ergriffen, das der Ehrfurcht verwandt war. „Feiwelmann", sagte er, und die Stimme des alten Mannes klang feierlich und gehoben, „jetzt verstehe ich Dich. Glaubst Du aber, sie wird einmal so singen können, wie Dein großer Künstler in Frankfurt gespielt hat? Sieh' mir aber fest in's Auge, während Du mit mir sprichst." „Ich glaube, David Brod", sagte Feiwelmann ruhig ausblickend, „auf Deinem Kinde, wie jung es auch ist, ruht der Strahl!" David Brod war ausgestanden, und ging mit großen Schritten in der Stube umher. Zuweilen blieb er hart neben