Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 300)
- Language
- German
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280 Feiwelmann stehen, uub schien sprechen zu wollen. Aber das Wort nahm keine Gestalt an. Fühlte er die Fittige jenes Augenblickes um sich wehen, der die Pforte für die Zukunft seines Kindes entweder weit öffnete oder donnernd zuschloß? „Feiwelmann", sagte er endlich, und jedes Wort entrang sich ihm schwer und bang. „Ich habe mir das merkwürdige Wesen meines Kindes erst recht vergegenwärtigt. Sie ist gar nicht, wie Andere sind; es ist etwas Besonderes an ihr. Wie die Feiertage vorüber sind, gehe ich mit ihr zum Grafen. Er soll sie zur Kunst erziehen." Wie seltsam! David Vrod wagte es nicht, irgend eine Menschenseele in der Gasse um einen Rath anzugehen, ob er die Hand des Schicksals, wie es ihm in der Gestalt des Grasen entgegengetreten war, annehmen solle, oder nicht. Er fürchtete allsgespottet zu werden, und' hatte anderseits wieder eine Scheu vor dem Gedanken, daß sich Leute finden würden, die die künftige Künstlerschaft seines Kindes wie eine böse Raupe von sich abschütteln würden. So kam es, daß er trotz des weihevollen Augenblickes in jener Nacht, der sein beschränktes Denken wie mit Riesengewalt aus den Tiefen zur freien Höhe emporgehoben hatte, in den acht Tagen, die das Laubhüttenfest noch andauerte, von den verschiedenartigsten Strömungeil hin- und hergeworfen wurde. Das eben ist die Drangsal eines an die gemeine Noth des Lebens angeketteten Daseins, daß es wohl für Augenblicke zu einer üppigen, wie von einer glühenden Sonne, aufqeküßten Blüthenpracht aufschießen kann; die Stunden, die hierauf mit der Wucht unabweislicher Notwendigkeit kommen,