Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 297)
- Language
- German
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277 freudig sie ihm um den Hals fallen werden da erfahrt er, -was schlechte Kinder sind. Sie lassen den eigenen'Vater nicht ins Schloß hinein, weil er ihnen zu viel Gäste mitbringt, sie jagen ihn von der Schwelle ihrer Thüre, und . der alte, schwache König muß hinaus in Nacht und Nebel und Wind, weil ihm seine Töchter keine Herberge geben wollen — " „Das waren doch nicht jüdische Kinder?" unterbrach ihn der Borbeter in steigender Spannung. „David Brod", fuhr der Baß fort, ohne dieser Frage Aufmerksamkeit zu schenken, „Du hättest ihn sehen sollen, der den alten schwachen König gespielt hat, und wie er zuletzt aus lauter Kränkung und Herzleid den Verstand verliert! Und wie er dann sein jüngstes Kind, das Gute, was ihm zu Hilfe gekommen war, todt hereinbringt, und weint und lacht dabei — David Brod! am Versöhnungstage habe ich niemals so geweint, und wie meine arme, gute Mutter gestorben ist, habe ick auch nicht so geweint, weil ich mir vorgestellt habe, nun ist sie von ihren langen, schweren Leiden einmal befreit, und solche Schauer habe ich niemals empfunden. Lebendiger Gott! wie groß ist der Mensch!" Sei es, daß der letzte Ausruf in des Vorbeters Augen keine rechte Billigung fand, sei es, daß ihn in der Erzählung Feiwelmann's die Nutzanwendung zu lange warten ließ — er fuhr aus, und fragte mit schlecht verhehltem Verdruß: „Schass Licht! Feiwelmann! Ich tapp' noch immer in der Fiusterniß herum! Wann kommst Du endlich auf den rechten Weg?" Trotz dieses erkältenden Zurufes veränderte sich Feiwelmann's Haltung nur wenig. Er fuhr mit demselben traumhaft aufgeregten Zuge in seinem Antlitze fort, und wie er so sprach, hatte es den Anschein, als spreche ein Anderer für