Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 296)
- Language
- German
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276 gefragt, und was ist ein großer Künstler? Alsbald habe ich gefühlt, wie mir das Blut zu Kopse steigt, wie eine Begierde^ die ich bis jetzt nicht hatte gekannt, tu meinem Herzen wächst und anschwillt, daß es bis zum Zerspringen voll war. Kurzum,. David Brod, ehe ich noch recht gewußt habe, was ich thun soll, war ich mit dem Menschenstrom drin im Theater, Hab" all mein Geld, was ich bei mir trug, hergegeben, und befand mich im obersten Stockwerke auf einer schmalen, hölzernem Bank. In demselben Augenblicke ist der Vorhang aufge- .gangen!" Feiwelmann hielt inne; es schien aber nicht, daß die Wirkung des bisher Erzählten auf David Brod eine große war. „ Damals , David", fuhr der Baß mit erhöhtem Tone fort, „habe ich an mir erfahren, daß man nicht nur am Versöhnungstage heiße Thränen vergießen kann, und daß nicht nur furchtbare Schauer Einen überrieseln, wenn man jenes Gebet betet, worin es heißt: Am heutigen Tage besiegelt Gott das Verhängniß des Menschen! Da wird bestimmt, . wer im künftigen Jahre durch die Pest, wer durch Hungersnoth und wer durch Wasserfluthen sterben und wer endlich em Leben bleiben wird! Was sie da gespielt haben, war eben so traurig und so schaurig, ja, ich habe manchmal geglaubt, der letzte Tag bricht an und die Auferstehung der Todten steht vor der Thür! Ein mächtiger König, der über ein großes Land gebietet, der vertheilt sein Reich aus lauter Liebe und Zärtlichkeit an seine Töchter. Er hat deren drei; die jüngste aber,, weil sie ihm nicht schmeichelt, kommt am schlechtesten weg, vor der verschließt er sein Herz. Aber gerade das Kind ist sein bestes, denn höre nur, David Brod! wie der König all sein Land unter die beiden schlechten Töchter verschenkt hat, und zu ihnen auf Besuch kommt, und meint, Gott weiß, wie herz-