Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 292)
- Language
- German
- Belongs to
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272 David Brod und sein Baß merkten es an hundert Anzeichen, daß ihnen die öffentliche Meinung nicht günstig war. Wie drückte man ihnen sonst die Hand, welche herzliche Zuruse schallten ihnen entgegen, wenn ste sonst die Synagoge, die Stätte ihrer gesanglichen Leistungen verließen! Sie schlichen still und gedrückt nach Hause, und Saul Weißfisch, der säbelbeinige Schneider, hielt es für ein gutes Werk, als die Beiden an ihm vorüberschritten, eine recht häßliche Grimasse ihnen nachzuschicken! Als sie in die Wohnstube kamen, trat ihnen Bella entgegen, in ihren Haaren noch immer den Kranz, den sie gestern von den Blumen des Grafen erübrigt hatte. Sie legte den Kopf unter die Hände ihres Vaters, damit er sie „bensche." Mit flüsternden Lippen sprach er über das Kind den Segen. Wie seltsam! Nichts in dem Wesen Bella's deutete heute an, welch' ein Leben seit gestern über ihr Haupt hinweggezogen, welche Pforten sich mittlerweile für sie aufgethan hatten! „Nun, Feiwelmann", sagte sie, „was haben die Leute zu Euch gesagt?" „Was sollen sie gesagt haben?" entgegnete er traurig , mit niedergeschlagenen Augen, „sie haben uns ausgelacht." „Ausgelacht!" ries das Kind mit blitzenden Augen und seine weißen Zähne schimmerten im Zorne durch die Lippen. „Du hast niemals besser gesungen, Feiwelmann, und auch der Vater nicht." „Wie weißt Du das?" rief der Baß wahrhaft erstaunt. ,Jch sag' es!" schrie sie laut.