Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 291)
- Language
- German
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271 „Man sagt auch, er will sie nach Prag schicken und dort aufziehen lassen." „Da hätte David Brod ausgesorgt für all sein Leben." In solcher Stimmung der Beter zerflatterte die neue Melodie, an die David Brod und lein Baß wochenlang das Beste ihrer Kehlen gesetzt hatten, wie eine Baumblüthe. mit der ein unbarmherziger Wind sein Spiel treibt. Was nützten alle die künstlichen Gesangsschnörkel? Sie zerstoben unverstanden und nur Wenige mochte es geben, denen die Neuheit der Melodie ausgefallen wäre. Den Meisten kam sie wie ein abgestandenes, längst gekanntes Gericht vor, dem man keinen Geschmack abgewinnen konnte. Und doch war die Melodie eine solche, die zu jeder andern Zeit aufs Innigste zu den Gemüthern gesprochen hätte. Sie stammte aus Polen und war von eigenthümlicher Schönheit! Als der Gottesdienst zu Ende war, machte sich unter Den zur Synagoge Hinausschreitenden das Urtherl über David Brod und seinen Genossen in dec herbsten Weise Luft. So schlecht hatten die Beiden noch nie gesungen, der neue „Kadisch" war ein Machwerk, mit dem sich allenfalls Leute in einer Dorfgemeinde begnügen konnten, die an nichts Besseres gewöhnt waren. „An allem dem ist Feiwelmann, der Baß, schuld/' meinte einer der schärfsten Beobachter aller Vorgänge in Haus und Gasse, der säbelbeinige Schneider Saul Weißfisch, „was für eine „.Kränk" hat den angefallen, daß er seine Backe nicht mehr mit der Hand hält? Wie soll er da einen gesunden Ton herausbringen? Gott der Lebendige weiß, wo er so was Neumodisches gesehen hat. Es muß ihn ruiniren, und die Gemeinde hat davon nur Verdruß."