Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 288)
- Language
- German
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268 ' vernommen, ging wie der Schrecken eines nächtlichen Ge-, wrtters über ihn hinweg. Blitze zuckten und leuchteten, Donner rollten über seinem Haupte, aber aus all diesen Stimmen des Entsetzens hörte er doch die eine: den Zuspruch des Grafen, daß er sich seincs Kindes annehmen wolle. Der Gras hatte die Thüre der Laubhütte geöffnet. Da ergriff Bella rasch den Leuchter mit der brennenden Kerze, und folgte ihm nach. Sie geleitete ihn über den Hof bis zur Planke, die das Haus des Vorbeters von der Gasse abschloß. Am Thore angelangt, ließ das Kind den Leuchter plötzlich fallen, das Licht erlosch. Der Graf fühlte auf seiner Hand einen heißen Kuß von zwei Kinderlippen . „ . „Gute Nacht, meine kleine Künstlerin", sagte er, ,,gule Nacht, mein Karfunkel!" In der Finsterniß tappte das Kind des Vorbeters seinen Weg wieder zur Laubhütte zurück. Ein Sturm war über das friedlich enge Haus David Brod's. des Vorbeters, gekommen, der es in seinen Grundfesten erschütterte. Er, der Vater einer zukünftigen Sängerin, sein Kind der Schützling eines Grafen und Feivelmann Baß, seine rechte Hand, entschlossen, von seiner bisherigen Gesangsweife abzugehen! Als Bella in die Laubhütte wieder eingetreten war, fand sie ihren Vater, den Kopf auf den Tisch gelegt, in heftigem Weinen. „Warum weinst Du, Vater", fragte sie fast gelassen.