Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 287)
- Language
- German
- Belongs to
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267 Schweiß drängte sich auf seine Stirne; jedes Haar auf seinem Haupte hatte sich emporgerichtet. „Und nun, David Brod", fuhr der Graf fort, bleibt mir noch übrig, Euch einen Vorschlag zu machen. Nehmet Ihr ihn an, so wird Euch aus dieser engen Laubhütte heraus ein Edelstein funkeln, wie Ihr ihn kaum ahnt; wo nicht, mag er begraben bleiben in der schmutzigen Hülle, die ihn jetzt umgibt. Denn wenn mich nicht Alles täuscht, so glüht in der Seele Eures Kindes das unsterbliche Feuer der Kunst! Heute war es noch ein Kind, das vor mir sang, und doch hat mich die Stimme dieses Kindes ergriffen, wie mich im Leben noch selten etwas bewegt hat. Zn Eurer Tochter schlummert die Zukunft einer großen Künstlerin!" Der Graf schwieg; er warf einen Blick nach Bella, die mit großgeöffneten, leuchtenden Augen, sonst aber regungslos da saß. Nur der Blumenkranz in ihren Haaren zitterte merklich. „Und so, David Brod", schloß der Graf, „habe ich Euch nur Eines zu sagen. Geht Ihr auf meinen Vorschlag ein, so übernehme ich die Erziehung und Ausbildung Eures Kindes zur Künstlerin. Sie wird Euer Haus verlassen, sie wird fern von Euch weilen, vielleicht werden Länder und Meere liegen zwischen Euch und ihr — aber Eure Tochter wird eine Künstlerin werden! Bedenket wohl, was ich Euch sage: Es kann eine Zeit kommen, die es Euch verbieten wird, Euch den Vater Eures Kindes zu nennen. Doch für heute genug! Wenn Euer Laubhüttenfest vorüber ist, so kommt zu mir und erstattet mir Antwort. Das Schicksal des Kindes ruht von nun an in Euren Händen!" Der Graf war aufgestanden; David Brod war sitzen geblieben, er vermochte sich nicht zu erheben. Was er eben