Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 284)
- Language
- German
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264 schaffen! Seltsames Volk! Was ihr seid. Und doch, wenn ich eintrete-in eure ärmliche Laubhütte, ich der Gras aus christlichem Blute, der stolz darauf thut, daß er seine Ahnen auf einige Jahrhunderte zurückführen kann, thut ihr so erschrocken und demuthvoll! Begreift Ihr denn, nicht Vorbeter, und Ihr, Mann, daß Ihr Euch vor mir nicht zu schämen braucht, daß das Bestehen dieser Laubhütte allein mich an die vermeintlichen Vorzüge meiner Geburt vergessen machen muß?" Auf David Brod's Lippen irrte ein verlegenes Lächeln. Wohl hätte er antworten können, denn er halte die Rede des hochgebornen Herrn hinlänglich verstanden. Aber mit jenem Verständnisse seit jeher anerzogener Demuth begriff er es gleichzeitig, daß er seinen viertausend Jahre alten Adel nicht werfen konnte in die eine Wagschale, während in der anderen eine gräfliche Krone mit einem herrlichen Schlosse und Garten funkelnd lag. Dagegen rief Bella: „I ch bin nicht erschrocken, Herr Graf! . . „Lebendiger Gott! Bella! Wie kannst Du so reden?" schrie David Brod, der Vorbeter, der im Entsetzen über die Worte des Kindes wieder seine Sprache gefunden hatte. „Laßt doch das Kind, Vorbeter," sagte der Graf mit einem seinen Lächeln. „Warum soll sie nicht gestehen, daß ich nicht derjenige bin, der ihr Schrecken einflößt? Warum auch sollte sie erschrocken thun? Sie weiß sehr gut, daß eine Zeit kommen kann, in der sie mir ganz anders gegenüber stehen dürfte, als jetzt . . . Wie heißest Du, mein Kind? Ich habe Deinen Namen wieder vergessen!" „Karfunkel!" sagte Bella kurz, und sah den Grasen dabei fest und sicher mit ihren großen Augen an.