Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 285)
- Language
- German
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265 Eine Weile starrte der Graf das übermüthige Kind an es hatte den Anschein, als wäre nun er es gewesen, den die Antwort des Kindes erschreckt hatte. Er faßte sich aber rasch, und als er nun redete, zitterte in seiner Stimme etwas wie von einer tieferen Bewegung seines Gemüthes. „Ja, Du hast Recht,'' sagte er, „daß Du mir Deinen eigentlichen Namen ins Gedächtniß zurückrufst. Erinnerst Du mich doch daran, weswegen ich hieher gekommen, und daß ich nicht auf falscher Fährte begriffen bin." Noch einmal sah er das Kind des Vorbeters wie prüfend an. Es war ein langer und tiefer Buck, den er durch die Augen des Kindes in deffen Seele, wie heimlich geborgen auch ihre Wesenheit sein mochte, bis in jenen Winkel that — wo er den funkelnden Edelstein vermuthete. „Was gedenkt Ihr mit Eurem Kinde anzufangen, Vorbeter?" wandte er sich dann an denselben. „Was soll ich mit ihr anfangen, gestrenger Herr Graf," meinte David Brod, der sich mittlerweile in Etwas ermannt hatte. „Wäre sie ein Knabe geworden, so könnte sie mein „Fistel" sein, denn sie hat eine gar liebliche Stimme und ein Gedächtniß dazu, für alle Gesänge — sie beschämt uns ältere Leute damit . . . Leider Gottes ist sie aber kein Knabe geworden, und wenn ich einmal sterbe, wird da nicht ein Fremder mein Nachfolger in der Synagoge sein müssen? Nun aber frage ich: Was soll aus der Tochter eures armen Vorbeters werden? Ihre Stimme ist ihr von keinem Nutzen, und wenn ich herrte sterbe, kommt ein Anderer in dieses Haus, und sie muß hinaus in die Fremde, und weiß nicht, wo sie zu Nacht eine Stelle findet, wo sie ihren Kopf zur Ruhe niederlegen kann . .