Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 283)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2609281-2609302--5914-2613266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
263 Kindes. Bella sah nicht im Geringsten erschrocken aus, und fast hatte es den Anschein, wenn man nach dem Lächeln sah, das auf ihren rothen Lippen saß, als hätte der Besuch des Mannes, den sie heute um Blumen angegangen war, für ihre Gedankenwelt nichts Ueberraschendes gebracht. Der Gras hatte auf dem leer gewordenen Sitze Feiwelmann's Platz genommen. Der Baß selbst stand demüthig mit abgezogenem Hute in einer Ecke der Laubhütte. Der Gras ließ seine Augen in dem kleinen Raume des hölzernen Baues umhergehen. „Also, so sieht eine von Euren Laubhütten aus?" sagte er, „und Euer Gesetz schreibt Euch vor, daß Ihr da wohnen müßt? Warum das? Ich habe es längst vergessen." David Brod vermochte nicht die Frage des Grasen zusammenhängend zu beantworten; in seinen Adern rann kaltes Eis. Unter den irdischen Erscheinungen, die mit Macht und Herrlichkeit ausgestattet sind, war ihm noch keine höhere erschienen, als der Mann, der das große Schloß auf der Anhöhe sein eigen nannte, und der ihm ein Schutzherr war. Feiwelmann, der Baß, nahm für ihn das Wort. Demüthig meinte er: „Vierzig Jahre sind unsere Vorfahren in der Wüste herumgegangen: sie haben kein steinernes Haus bauen können und nur den Himmel haben sie über sich gehabt, und höchstens ein Zelt, worin sie gewohnt haben. Darum ist uns das Gebot von unserem Gott gemacht worden, daß wir zum Andenken an diese Zeit durch acht Tage in solchen Laubhütten wohnen müssen." „Nach fast viertausend Jahren!" rief der Graf, „und noch heute feiern diese Leute das Fest und sprechen von „unserem Gotte," als hätte er für sie eigens die Wüste Arabiens er-