Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 282)
- Language
- German
- Belongs to
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262 „Sei kein Narr, Feiwelmann", rief der Vorbeter und wollte ihn am Ausstehen hindern. „Laß mich nur", ries der Baß, und es klang etwas hindurch wie von unterdrückten Thränen, „morgen wird es vielleicht bester um mich stehen." Bella sprach nichts; sie hatte ihre Stellung nicht geändert. Ihre schwarzen Augen verfolgten den Vorgang, als stände er mit ihr in gar keinem Zusammenhänge. War das Kind herzlos? Empfand es die Süßigkeit des Triumphes, daß es ihm gelungen, die Singweise des „Baß" ins Lächerliche zu ziehen? Feiwelmann war aufgestanden, er hatte die Klinke der Thüre ergriffen und wollte ins Freie. In diesem Augenblicke taumelte er zurück, eine hohe Männergestalt drängte sich durch den-schmalen Eingang und trat in die Laubhütte ein. „Der Graf, der Graf!" schrie Bella aus. Es war in der That der Mann aus dem Garten, er selbst. David Brod, der Vorbeter, war erschrocken aufgesprungen, schon hielt er das Käppchen in den zitternden Händen. „Lebendiger Gott", flüsterte er, „der Graf selbst!" „Was erschreckt ihr, Vorbeter?" sagte der Gras lächelnd, „Ihr kennt mich doch, und solltet wissen, daß ich Euch und Euren Leuten kein Feind bin? Thut mir den Gefallen und setzt Euch wieder. Denkt Euch, es sei Einer gekommen, der noch keinen Begriff von so einer Laubhütte hat, und sich so einen Bau auch einmal ansehen will." Unwillkürlich hatte sich David Brod wieder auf seinen Sitz niedergelassen, aber des Schreckens über die Erscheinung des Grafen war er noch nicht Herr geworden. Einen merkwürdigen Anblick bot in diesem Augenblicke das Antlitz des