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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 261

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 261 (sequence 281)
Language
German
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261 „Du willst frei herausfingen, Feiwelmann, ohne Backe?" rief Bella, und ihre weißen Zähne leuchteten durch den lachenden Mund. Feiwelmann, der Baß, nickte blos mit dem Kopse. „Du wirst Dir doch von einem Kinde nicht solche Narretheien einreden lassen?" ries dagegen David Brod, der Vorbeter. „So lange es einen Baß aus der Erde gegeben hat, hat er die Backe mit der Hand gehalten. Frag' Einen Baß aus der Welt, ob er sonst zu singen im Stande ist." Aber Feiwelmann der Baß schüttelte wieder sein Haupt. „Laß es gut sein, David Brod", sagte er gedrückt. „Wenn das Kind etwas sagt, so kannst Du sicher sein, daß daß etwas Goldenes von ihr kommt ... Ich will's versuchen, und will einmal' singen, wie Bella es meint. Ich fange schon an, einzusehen, daß sie Recht hat." Sie begannen aufs Neue die Melodie. Das Kind des Vorbeters sang aber diesmal nicht mit. Beide Hände aus den Tisch gestützt, saß Bella da und hielt die schwarzen scharfen Augen auf Feiwelmann den Baß gerichtet. Keine seiner Bewegungen entging ihr, ihre Seele schien untergetaucht zu sein in dem Strome des Gesanges. Feiwelmann fühlte im Singen, daß die Augen des Kindes auf ihm brannten; dazu hielt er dies Mal wirklich die Wange von der drückenden Hand frei. Er sang aber schlechter als je — war es das Aufgeben einer fast zur Nothwendigkeit gewordenen Gewohnheit, waren es die gefürchteten Kindesaugen? Erhielt plötzlich tmte, und stand auf. „Verzeih mir, David", sagte er schwach. „Ich kann heute nicht fort, es sitzt etwas in meiner Kehle, was mich würgt, daß ich schier glaube, die Stimme sei mir für alle Zeiten versagt: verzeih mir."

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