Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 161)
- Language
- German
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141 — bette sich die Zahl der toterirten Familien *) , so daß im Jahre 1848, wo diese schmachvolle „Toleranz" aufhörte, blos 118 tolerirte Familien in Wien lebten, obschon man unter Kaiser Ferdinand minder rigoros bei Ertheilung dieser Gnadengabe war. Schwieriger als die Kämpfe um die äußere Existenz waren die um die Herstellung eines jüdischen Gemeindelebens. Es war ein Kampf, wie er, wir wiederholen es, in früheren Perioden nicht stattgefunden hat. Man gewährte den Juden den Aufenthalt in Wien, verbot ihnen aber, sich als Gemeinde zu constituiren und religiöse Anstalten ins Leben zu rufen. Was sollte jedoch aus den Juden werden, wenn es ihnen verboten war, das Judenthum zu hegen und zu pflegen? — Selbst der erleuchtete Kaiser Josef II., welcher den größten Theil der drückendeil Bestimmungen, die wir oben angeführt, durch das Toleranzpatent vom 2. Jänner 1782 aufhob, wollte nicht einwilligen, daß die Wiener Jilden sich als Gemeinde constituiren **). So lebten die Wiener Juden ohne Vorsteher, Rabbiner, Synagoge, Schule, ohne alles, was im Entferntesten eine jüdische Gemeinde kennzeichnet. Doch die waltellde Vorsehung Gottes, welche „die Kranken heilet und die Todten belebet", bestimmte die Stätten der Kränkelt und Todten — das israel. Spital und den Gottes- *) Herr M. L. Biedermann eifyielt ausnahmsweise die Begünstigung der erblichen Toleranz statt des ihm angebotenen bsterr. Erbadels; ebenso Herr M. H. Wcikersheim ausnahmsweise die Toleranz für seine Töchter. **) Vergl. unser: I. N. Mannheimer, eine biographische Skizze.