Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 159)
- Language
- German
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139 das Entstehen d er Gemeinde datirt werden; denn nun war die Norm gegeben, nach welcher es dem Juden gestattet war, in Wien lebenslang zu wohnen. Vis dahin war selbst der zeitweilige Aufenthalt Sache der Gnade oder der Willkür. Von da ab haben die Juden, die in Wien wohnen wollten, folgenden Weg eingeschlagen. Sie wiesen sich beim Handelsgremium mit dem zu einem Großhandlungsgeschäfte nöthigen Capital (damals 10.000 fl.) aus, und nachdem sie diese Besugniß erhalten hatten, wendeten sie sich an die Regierung um die Gewährung des hiesigen Aufenthaltes, und diese wurde sodann anstandlos gestattet. -Daher kam es, daß während im Jahre 1764 etliche und zwanzig jüdische Familien in Wien waren, im Jahre 1802, 38 Jahre hernach, mehr als 240 jüdische Familien daselbst lebten. Im Jahre 1802 erschien eine allerhöchste Entschließung, welche bestimmte, daß die „Toleranz" eine Gnadensache sei, die der Kaiser selbst nur in außerordentlichen Fällen ertheilt, und ist dieselbe nicht erblich*). Von nun an wurde die *) Bergl. hierüber (Jos. Wertheimer) „Die Juden in Oesterreich." — Man ging nämlich mit dem Gedanken um, das Pharaonische Gesetz, wie es damals in Böhmen und Mähren in Bezug auf die festgesetzte Anzahl der Familien bestand, auch in Wien einzuführen; doch lließ diese Maßregel, wie es schien, auf Hindernisse. Auch der Vorschlag, in Wien ein Ghetto zu errichten, fließ auf Widerstand, da man die Vereinigung der Juden fürchtete. Die kaiserliche Entschließung vom 20. Mai lautete daher: „Von der Festsetzung einer Zahl, wie viel Judenfamrlien in Wien zu dulden sind, hat es abzukommen; auch ist wegen der Wohnungen der Juden derzeit nichts zu veranlassen. Dagegen will. Ich zur unabweisiichen Richtschnur vorschreiben, daß die Zahl den Ln Wien geduldeten Juden nicht vermehrt, sondern vielmehr ver«