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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 136

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 136 (sequence 156)
Language
German
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136 Den in solcher Weise privilegirten Juden war es aber verbocken, unter sich eine Gemeinde zu bilden, einen Rabbiner rc. zu bestellen und man wies ifjuett besondere Häuser zum Wohnen an. Man trug sich auch mit dem Gedanken, ein eigenes Ghetto für die Juden zu erbauen. *) Da die Vorstadt Leopoldstadt seit dem I. 1670 das Privilegium hatte, daß keine Inden daselbst wohnen dursten, so wollte man sie an das andere Ende der Stadt versetzen, vor das Kärnthnerthor, wo einst der Begräbnißplatz der Juden war und jetzt der prachtvolle Kärnthnerring sich ausbreitet, und zwar sollten die türkischen und die deutschen Juden getrennte Ghetti haben. — Doch haben sich alle diese Projecte zerschlagen; hingegen wurde bestimmt, daß die Juden in der innern Stadt wohnen müssen. Mos in dem Hause neben dem Gottesacker in der Roßau dursten zwei isr. Männer und zwei Weiber wohnen. Der höchst prekäre Zustand der Inden war für dieselben sehr peinlich; das Damokles- Schwert der Ausweisung schwebte stets über ihren Häuptern. Dazu kam die schimpfliche und schmähliche Behandlung derselben. Von andern Plackereien zu schweigen, so standen sie osficiell unter Aufsicht der „Hans- *) In Wien lebten die Juden in einem Ghetto blos vom Jahre 1624—1670, während der Zeit, a!s sie im untern Werd. in der Leopoldstadt, wohnten. Sonst bestand hier nie ein Ghetto, und um so weniger eine Ringmauer um dasselbe. Der Archivar des Magistrates, Herr Wei ß, erzählt in einem Aufsätze im Communalkalender 1864 von einer Ringmauer um die Judenstadt in alter Zeit, ebenso Herr Vermann in seiner Geschichte Wiens. Es gab aber b'er in alter Zeit, so weit authentische Berichte vorlieg-n> keine Judenstadt und daher auch keine Ringmauer.

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