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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 135

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 135 (sequence 155)
Language
German
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135 war Sache kalter Berechnung. Die Bürger berechneten, wie groß der Vortheil für sie wäre, wenn sie ohne Concurrenz auf dem Platze stünden, und machten ein Angebot, wie viel sie zu zahlen gesonnen wären, wenn die Juden ausgetrieben werden möchten. Ebenso berechnete man in den maßgebenden Kreisen lvergl. unsern Aufsatz: „Die Ausweisung der Juden aus Wien", Ben Chananja 1861); und der Egoismus findet immer Nahrung. Noch in einer andern Beziehung war die Lage der Juden nach der letzten Ausweisung verschieden von denjenigen, wie sie früher gewesen. Bis dahin kümmerten sich die Behörden nicht um die innern religiösen Angelegenheiten der Juden. Man hatte die Juden geduldet und ihnen ihren Cultus gestattet. Sie dursten ihre Rabbiner, Sänger, Schächter haben; ebenso besaßen sie Synagogen, ein Frauenbad re. Nach der Rückkehr im I. 1673 sing die Regierung all, auch diese Angelegenheiten ins Auge zu fassen und sich mit denselben eingehender zu beschäftigen, und dieses Eingreiftll war nicht vom Heile. — Es waren überhaupt die Verhältnisse ganz anderer Art als sonst. Man nahm die Juden wieder auf, weil sie in national^ ökonomischer Beziehung gewissermaßen eine Nothwendigkeit waren. Die österreichische Finanznoth ist kein Product der neuesten Zeit; sie ist ein „ererbtes Uebel." Die Juden sollten dem Uebel abhelsen. Und wenn sie dieses bewerkstelligt hatten, sollten sie wieder ihre Wege gehen. Die Aufnahme der Juden war daher eine höchst beschränkte; nicht wie in früheren Zeiten, wo der Einlaß ziemlich unbeschränkt war. Selbst diejenigen, die mittelst Privilegien ausgenommen wurden, durften nur eine bestimmte Zeit in Wien bleiben *). *) Vergl. „xinfm Judentauftn" in Oesterreich S.

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