Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2609281-2609302--5748-2613100- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
97 gung des Herausgebers. Hier stehen wir wred-.r au einem Punkte, welcher von den äußersten Peripherien der Literatur in die eigenthümlichsten Kulturverhältnisse führt. Die Herausgabe von Handschriften und alten Werken ist, wie schon oben angedeutet, fast überall Sache strenger Wissenschaft', bestimmt für Fachgelehrte, besorgt von Fachgelehrten, dem großen Publikum höchstens durch Zeitungsnachrichten b>- kannt, wenn ein allgemeines Ingresse sich daran knüpft. Sel-en fällt es einem Unberufenen, niemals aber einem Unstudirten, etwa gar einem herabgekommenen Kaufmann u. dgl. ein, sich unter die Gelehrten zu drängen, das in merkantilischer oder sonstiger Spekulation verfehlte Glück durch — alte Papiere zu gewinnen: nirgends gesellt sich der Bettelstab zur Mappe des Kolporteurs, nirgends ist der Drucker oder Buchhändler selbst so leicht der Herausgeber gelehrter Schriften, als im Kreise der hebräischen Literatur. Scheint es doch fast, als hätten die letzten Jahrhunderte die alte Anschauung umgekehrt, nach welcher im Judenthum kein Unterschied von „Geistlichen" und „Laien", wohl aber zwischen Gelehrten und Idioten (Am ba-Arez) bestand. Während nunmehr das Rubb'merthum sich mit Prärogativen des Standes umgibt, sinkt die ausschließliche Berechtigung des Gelehrten zu gelehrten Arbeiten immer mehr vor der Einmischung Unberufener.. Die Klage über die Bettel- und Spekulationsliteratur ist in Deutschland freilich radikal beseitigt durch die immer mehr schwindende Kenntniß des Hebräischen; es gibt hier kein Publikum mehr für Pränumerantensammler u. dgl.. leider auch für diejenigen nicht, deren Schriften zu den besseren gehören, so daß selbst ein besonnener Mann, wie Bcnjakob, diesen Mangel zu einer Schutzrede für den wandernden Buchhandel benutzen konnte. 7