Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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jungen führt, wovon nur eine beispielsweise hervorgehoben werden mag. Während überall die wiederholte Ausgabe älterer Literatur vorherrschend zu wissenschaftlichen .— antiquarischen, geschichtlichen, sprachlichen — oder pädagogischen Zwecken geschieht, für das größere Publikum sich auf das Klassische beschränkt, im Ganzen also an Umfang und Bedeutung gegen die aus allen Lebens^ quellen hervorsprudelnde eigentliche Schriftstellern der Zeit zurücktreten muß; sehen wir auf dem Gebiete des Hebräischen nicht nur die fortdauernde Vervielfältigung der klassischen Werke in kolossaler Weise, sondern auch eine sabriksmäßige Reproduktion mittelmäßiger, einer verdienten Vergessenheit entrissener Erscheinungen in den Vordergrund treten, abgesehen von dem, im Charakter der jüdischen Schristthätigkeit tiefer wurzelnden Streben, das Neue nur unter dem Geleitbrief eines alten Textes hinauszusenden, — wir möchten diese Architektonik des jüdischen Schriftthums durch „Ueberbau" bezeichnen, der sich nicht für, sondern über das Vorhandene setzt; wie auch in der großen Menge hebräischer Handschriften kaum ein Palimpsest — ein auf radirtem Text geschriebener anderer — zu finden ist, indem die Pietät vor dem einmal geschriebenen Wort seine Tilgung verhinderte, während andererseits die Pseudepigraphie, d. h. die Vorsetzung eines falschen, gewöhnlich eines alten Autornamens, umsoweniger Anstoß erregte, als man Altes und Neues für wesentlich dasselbe hielt. So werden wir unwillkürlich von äußerlichen Umständen und Formen zur innern Werkstätte des Geistes geführt, wenn wir uns nicht von der falschen Vorstellung irre leiten lassen, als ob der Geist überhaupt etwas Aeußerliches schaffe, was mit seinem Innern nicht zusammenhängt und nicht