Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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86 als Zeichen und Wegweiser dienen kann. Ist doch auch zwischen Wissenschaft und Wissen nur der Unterschied der Form, und diese Form, was hat sie nicht zu bedeuten! Das kann man mitunter am besten sehen, wenn man eine hebräische Schrift mit einer nichthebräischen vergleicht; doch wollen wir nicht vorgreifeu. und zu unserem nächsten Gegenstand zurückkehren. Die verhältnißmäßig große Zahl und noch mehr der Inhalt der Schriften, welche die hebräischen Pressen: namentlich Lemberg, Stettin u. s. w. in so staunenswerther Weise vervielfältigen, daß selbst die ersten deutschen Buchhändler sich von dem Absatz keinen Begriff machen können, drängt auch uns zur Frage, nicht nach den Käufern, sondern nach den Lesern und Benutzern dieser Schriften; diese Frage ist gewissermaßen die Vorfrage für die ganze Bedeutung derselben, ob sie nämlich durch des Publikums oder des Druckers Willen aufgelegt werden; ob sie gekauft werden, damit man sie habe, oder damit man sie lese und studire? Der Talmud wird in diesem Augenblick wenigstens in 20.000 Exemplaren abgezogen; dürfen wir daraus schließen, daß das Studium desselben sich gehoben, erweitert, oder gar zur Quellenforschung geläutert? oder gehört der Besitz desselben in Polen, für welches er hauptsächlich gedruckt wird, zu den Erfordernissen einer Wohnstube, zur Einrichtung des jungen Ehepaars, das eben die Kinderschuhe ausgetreten? Und warum sollen die Inden nicht auch hebräische Paradebibliotheken besitzen, die sich selber Zweck sind, zu einer Zeit, wo man ganze Sammlungen von Büchern mit breiten Rändern, alten Einbänden u. dgl. anlegt, während die meisten jüdischen Bücher in den schmutzigen Ohren und verklebten Titeln doch wenigstens die Spuren irgend einer Benutzung cm sich tragen? Die un-