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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 67

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 67 (sequence 87)
Language
German
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67 Lehrer unseres Volkes anzureihen, die alle das Eine bekunden, daß es weder im Wesen der jüdischen Religion noch des jüdischen Volkscharacters liegt, die äußeren Glücksgüter höher zu schätzen, als gut, sie begieriger zu verarbeiten als andere Völker, Kennt ja das Judenthum und auch Jahrhunderte hindurch die Judenheit keinen andern Adel als den des Geistes, des Wissens, der Tugend. Nur das Eine werden Sie mir hier zu bemerken gestatten, daß diese Lebensanschauung recht eigentlich dem Volksgenius in den Mund gelegt ist, recht eigentlich dem Geiste jener Erkenntniß entspringt und entspricht:, „daß das Wasser, das belebt und erquickt in den Armen, in den Hütten seinen Quellpunkt hat." Die Geschichte lehrt es, daß die Entwicklung und Förderung der Menschheit nicht von oben herunter geschieht, sondern daß der sogenannte dritte Stand es ist, dessen Söhne durch Arm und Kopf, durch Hand und Geist zumeist die Güter erzeugen und erringen, auf deren Besitz die Menschheit stolz ist. *a) Kleider machen, Leute, sagt mit uns auch das talmudische Sprichwort, Leute wohl, aber keine Charactere, keine Männer. Charactere, fest und entschieden, bieder und ausdauernd, braucht die Geschichte, . und wenn wir die Gallerie wahrhaft großer Männer durchgehen, wir werden ihren Ursprung meist in Hütten und bescheidenen Wohnungen finden, von denen aus, in Kampf und Entbehrung sich stählend, sie ihren Weg genommen durch, die Wogen des Lebens. — Es bewährt sich hier in diesem Ausspruch deutlich jener tiefe, sichere, feine Blick für Seelenzustände und die gründliche richtige Erfassung des Lebens, der uns wohl zu der Erwartung berechtigt, daß wir bei solch reflectirendem Volke auch 3a) Sab batk 145. 5*

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