Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 86)
- Language
- German
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66 allein: * 8) £)em Armen hastet sich Armuth an. Zur Zeit der Gefahr, zur Zeit des Falles tritt die Ahndung für die Vergangenheit oder auch für die Prüfung ein: 9) Ist der Ochs gefallen, schleift man das Messer. Doch wäre das eigene Leid noch zu ertragen, wenn es nicht verbittert und erhöht würde durch den Gegensatz des daneben gedeihenden Glückes: 10) Sechzigfachen Schmerz empfindet der Zahn, der seinen Nachbar kauen hört und selbst nichts hat. Da ist es denn weise, in sich selbst seinen Werth zu finden, durch Anderer Glück sich nicht stören zu lassen und den Schwerpunkt des Lebens in die eigene Kraft, in die eigene Brust zu verlegen; edles Bewußtsein ziert den Mann. Das schöne Wort, in dem diese Lehre sich bietet: *) Steht eine Myrthe auch zwischen Gestrüpp, so heißt sie dennoch Myrthe, und wird immer so genannt, erinnert so unwillkürlich an Shakspeare's schöne Verse in Romeo und Julia, daß wir uns nicht versagen, sie herzusetzen: Was uns Rose heißt, Wie es auch hieße, würde lieblich duften. Es würde doch den köstlichen Gehalt Bewahren, welcher sein ist ohne Titel. Dann verliert äußeres Mißgeschick seinen verletzenden Stachel,, und im Gegentheil werden wir erkennen, daß auch in ihm Gutes liegt2: Armuth steht der Tochter Jacobs schön, wie ein rother Zügel dem Kopf eines weißen Rosses. Es wäre leicht, diesen Volksspruch mehreren Aussprüchen angesehener 8) Chullin 105 etc. — T) Sabbath 32. f. Midrasch Tlireni. — J0) Baba Kamma 92. — *) Kethuvoth 43. — 2) Chagigali 9. f. Jalkut I, 670, II, 257, 981.