Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2609281-2609302--5719-2613071- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 Regeln finden werden, um uns als Compaß ficher durch das gefährliche und sturmbewegte Leben zu leiten. Und in der That an solchen Lehren der Klugheit fehlt es im Kreis der talmudischen Sprichwörter nicht, obgleich eine Menge solcher Regeln für den Klugen nicht einmal nöthig find: „ist ja für den Gescheidten ein Wink genug" und die einförmige Allgemeinheit reicht für den vielgestaltigen Wechsel der einzelnen Fälle nicht aus: s) Nach dem Garten richtet fich der Gärtner, nach dem Ochsen der Metzger. Der ficherste Weg ist hier, durch Beispiel, Erfahrung, wenn auch an der eigenen Person, sich belehren zu lassen, so kann man wohl sagen: 3 4) Wen die Schlange gebissen, der fürchtet fich auch vor einem Strick. Doch hören wir, welche Lehren der Lebensklugheit der Alte in seinen Sprichwörtern fand. Die erste Warnung ist die, sich nicht wenig zuzutrauen und frisch am Platze zu sein. Es gilt Keiner, in der Gesellschaft mehr, als er sich selbst geltend macht,, sagt Knigges, und das talmudische Sprichwort meint ähnlich: 5) Keckheit gilt auch bei Gott. Freilich sollen wir nicht unsere Kräfte überschätzen, wenn es auch nicht gut ist, in verschiedenen Angelegenheiten die Kraft zu zersplittern. Ein Engel dient nicht zu doppelter Sendung. 6) Wer einen Garten miethet, kann Tauben speisen; wer mehrere, den verzehren die Sperlinge. Vorsichtig zu fctu und nichts zu übereilen, lehren die Sprüche: 7) Im Vorbeigehen machst Du Dich dem Gegner bemerklich, und 8) Band löst sich nach Band. 3) Sotah 13. Midrasch rabbah zu Toledoth ef. Sotah 10. — 4) Midrasch zum Hohenlied, Eingang. — 6) Synhedrin 105. — 6) Jalkut Koheleth 971. — 7) Synhedrin 95. — 8) Jalkut 905. *) Kürzer der Franzose: L’on ne vaut que ce qu’on veut valoi?.