Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 81)
- Language
- German
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61 einzuweben. Wer kennt nicht die Sprüche der sieben Weisen, die schließlich nichts anders als Sprichwörter sind; wer weiß es nicht, daß im Homer der Reiz und das Naive so mancher Verse gerade im Kunstlosen, Sprichwortartigen besteht? Begegnen wir doch in der trockenen und philosophischen Darstellung eines Aristoteles nicht selten dem heiteren, anmuthigen Sprichwort, und gar nicht von Plato zu reden, bei dem der häufige Gebrauch desselben doch auf die dialogische Form allein nicht zu schieben ist. Freilich scheint diese fast genöthigt, sich des Sprichwortes zu bedienen, — und so begegnen wir im Talmud, der ja bekanntlich zum größten Theil in lebendigster, knappster Wechselrede gehalten ist, sehr oft mitten in dem Ernst der schwierigsten und lebhaftesten Discufsion dem kurzen, treffenden witzigen Sprichwort. Wie beliebt dasselbe war und gerade bei den geistreichsten, berühmtesten talmudischeu Autoritäten können wir daraus entnehmen, daß der sehr productive Kaba A) und der erste Talmudredacteur Rab Aschi mit Vorliebe im Volkston reden und namentlich ersterer dem Sprichwort die Ehre anthut, bei einzelnen derselben nachzuweisen, daß ihr Inhalt bereits in der heiligen Schrift selber ausgesprochen sei. So stand die Gnomik nicht nur bei Einzelnen in Gunst, sondern erfreute sich, wie gesagt, des höchsten Ansehens bei unseren Volksweisen. „Möge, 1 2) sagen sie, das tyß , so ist der. weitere Name für Sprichwort, nicht unbedeutend ungeringfügig Dir erscheinen; denn durch dasselbe kann man festen Fuß fassen im Gesetze. Halte es wie jener König, dem ein Goldstück , oder eine Perle großen Werthes verloren ging. 1) Lada Tarawa 92 a und b, — 2) Midrasch zum Hohen Lied, Eingang.