Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 75)
- Language
- German
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55 einen Zxactat über die astrologische Weissagung erhalten, in welchem ähnliche Ansichten niedergelegt waren, wie er sie von Vanz vernommen hatte. Was lag ihm näher als seinen eigenen Leibarzt für den Verfasser der „gottlosen" Schrift zu halten? Er ließ der jungen Inquisition in Lissabon, welche ohne von Rom sanctionirt zu fein, ihre Thätigkeit bereits entfaltet hatte, eine Abschrift des Tractates zustellen und verlangte von den ihm treu ergebenen Richtern des Tribunals, daß Vanz als Ketzer verurtheilt werde. Der frühere Leibarzt, Astrolog und Freund des Königs wurde von den jungen Inquisitoren vernommen. Er stellte nicht in Abrede, der Verfasser der ihm vorgelegten Schrift zu fein, bis auf einige Zusätze, welche von fremder Hand herrührten, und bekannte sich zu den darin niedergelegten Grundsätzen und Ansichten. Als nun der Tag erschien, an welchem Don Vansich vertheidigen sollte, trat er mit vielen Folianten unerschrocken vor feine von Allen gefürchteten Richter im Priestertalare und schickte sich an, sowohl seine auf Wissenschaft beruhenden Ansichten als auch feine Rechtsgläubigkeit zu beweisen. Wie erstaunten aber die gestrengen Herren, als nach kaum begonnener Verhandlung der apostolische Nuntius, der zur Zeit in Lissabon residirte, in höchsteigener Person im Sitzungssaal erschien und die Untersuchung vorläufig für beendet erklärte. Der Nuntius, der dem Juden einen Freundschaftsdienst erweisen wollte, motivirte, daß Vanz den Inquisitoren gar keine Rede zu stehen habe, in einer öffentlichen Disputation mit den gelehrten Theologen sollte der Ketzer in seiner und ihrer Gegenwart die Sache ausmachen. Nichts konnte Vanz erwünschter sein. Er wartete schon lange auf eine passende Gelegenheit, den Theologen, ganz besonders aber dem ihm verhaßten Pater Soares, der den