Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 76)
- Language
- German
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56 schwachen König noch fanatischer und intoleranter machte, als er von Natur war, eine wohlverdiente Lection zu geben. Wer war der apostolische Nuntius? In welchem Verhältniß stand der jüdische Leibarzt zu ihm? Es sind das Fragen, welche sich dem Leser unwillkürlich aufdrängen, und die wir beantworten wollen, bevor wir Banz und sein Geschick weiter verfolgen. Schon länger als zehn Jahre war der geistesschwache von dem Clerus ganz und gar geleitete König Johann eifrig bemüht, der Inquisition wie in Spanien so auch in Portugal als ein das ganze Land beherrschendes Glaubensgericht Eingang zu verschaffen. Papst Clemens war anfangs nicht abgeneigt, den Wünschen des Königs zu willfahren, änderte aber seinen Entschluß in Folge dringlicher Vorstellungen von Seiten einflußreicher Juden und toleranter Cardinäle. Auch sein Nachfolger Paul III. war dem Könige nicht zu Willen. Die portugiesischen Gesandten und die Vertreter der Juden betrieben ihre Sache aufs energischeste und merkwürdig genug: es hatte eine Zeit lang den Anschein, als ob die Stimme aus dem Vatican über die portugiesische Intoleranz siegen und die Humanität des Kirchenfürsten einen Triumph feiern würde über den Fanatismus und die Glaubenswuth des Königs von Portugal. Wirklich erließ Paul am 12. Oktober 1535 eine Bulle, worin er vor der Hand jede Untersuchung über den Glauben geheimer oder neu bekehrter Juden verbot und sie für frei erklärte. Erst im folgenden Jahre, als Kaiser Karl V. in Rom war, ließ sich der Papst bewegen, eine Einwilligung zur Einführung der Inquisition zu geben. Ueber die Zukunft Portugals und seiner geheimen Juden war entschieden. Und doch wurde die Wirksamkeit des grauenhaften Tribunals durch den jüdischen Vertreter in Rom noch