Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 74)
- Language
- German
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54 an, den fremden Monarchen zu heilen, und es glückte ihm in der That, ihn dem schon nahen Tode zu entreißen. Don Vanz beschränkte seine Studien nicht auf die Medicin allein; er gab sich mit vieler Vorliebe der Astronomie hin und verfiel auch wie Viele in jener Zeit aus die trügerische Kunst, welche aus der Stellung der Gestirne das Schicksal der Menschen vorherzusagen lehrt: der Leibarzt wurde Astrolog und erwarb sich sehr schnell den Ruf eines vollkommenen Propheten. Er begann damit seiner Königin zu prophezeien, später sagte er auch in politischen Dingen die Zukunft voraus. Unter Anderem weissagte er einmal dem katholischen Königspaare den Tod eines ihrer beiden Kinder, der auch bald erfolgte, zum Unglücke für Vanz, denn er wurde fortan am königlichen Hofe nicht mehr gern gesehen und selbst glückliche Verheißungen empfing man von ihm, da er sich einmal als Hiobsbote erwiesen hatte, nur mit Widerstreben. Der König sing an seinem Leibarzte zu mißtrauen, er hegte Zweifel an dessen Gläubigkeit und wurde durch manche unvorsichtige Aeußerung, die von ihm, beschränkt und abergläubisch wie er war, leicht mißgedeutet werden konnte, hierin noch bestärkt. Als er nach einiger Zeit das Gespräch auf die Astrologie leitete, bekannte Vanz, daß nach seiner Meinung das Weissagen aus den Gestirnen ein sehr zweifelhaftes sei; die Geheimnisse der Natur und der höhern Sphäre könne der menschliche Geist nicht immer ergründen, denn Gott hebe den Einfluß der Gestirne auf das Schicksal der Menschen häufig aus; ja der Astrolog ging noch weiter und behauptete geradezu, die ganze Astrologie als Sterndeutekunst sei pure Wahrsagerei, sei Tollheit und Gottlosigkeit. Ein solches Bekenntniß kam dem Könige gerade recht. Er hatte wenige Tage zuvor angeblich von einem armen Arzte