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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 49

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 49 (sequence 69)
Language
German
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49 Aber nicht minder den Geist der jüdischen Armenpflege kennzeichnend ist die Forderung, daß. wo die Armuth selbst bittend herantritt, die Gabe mit friedlicher Miene und liebevollem Worte gereicht werde. Denn, schroffer noch als das Verhältniß zwischen Neichthum und Armuth, tritt uns das zwischen Reich und Arm im Leben entgegen. Bei jenem kann noch das Gesetz eine Abhilfe versuchen, dieses entzieht sich jeder gesetzlichen Regelung und zu viele menschliche Schwächen kommen hier in's Spiel, um nicht die Lage des Armen auch in socialer und gesellschaftlicher Beziehung zu einer wenig beneidenswerthen zu gestalten. Was der alte Ben Sira einst von seinen Zeitgenossen ausrief, auch wir können es uns gesagt sein lassen. „Wie Hyäne mit dem Hunde sich gesellet, also auch der Reiche mit dem Armen." „Wenn der Reiche fällt, gibt er sich nur einen Stoß, seine Freunde helfen ihm auf; wenn der Arme fällt, stoßen ihn seine Freunde auch zu Boden". „Wenn der Reiche spricht, so findet er Beifall, sogar seine Feinde billigen seinen Vortrag, will der Arme sprechen, so läßt man ihn nicht zu Worte kommen, wenn er gleich weislich redet. Wenn der Reiche spricht, so schweigt Jedermann, und sein Wort hebt man in den Himmel, wenn aber der Arme redet, so spricht man: „Wer ist der? und so er fehlet, muß er herhalten." Unter so bewandten Umständen darf es nicht befremden, wenn die Beziehungen zwischen Almosengeber und Almosenempfänger sich im Leben gar häufig liebloser gestalten, als sie es ohnehin sind, namentlich in Zeiten, wo materielle Bestrebungen einerseits und luxuriöse Lebensweise anderseits im Felde de- Egoismus wirken und in übertriebener Gewissenhaftigkeit jede Gabe au Dürftige als unver- 4

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