Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 68)
- Language
- German
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48 von dem sie wissen, daß er über seine Verhältnisse gibt, nicht ansprechen und sind überdies noch an eine förmliche Instruktion gebunden, aus der wir hier nur jene Bestimmung herausheben, wonach die Unterstützung der Frauen in erster Linie geboten wird. Dies die rechtliche Seite ihrer, in des Wortes schönster Bedeutung, als Ehrenamt zu bezeichnenden Würde. Die moralische Seite ihrer Aufgabe jedoch, die sich dem irdischen Richter entzieht, enthalt Vorschriften, die in gesteigerter Potenz die ganze Kindlichkeit des Gemütes offenbaren, deren eine Menschenbrust fähig ist, und wahrhaft rührend, auch für private Wohlthätigkeit aufgestellt sind. Dies führt uns zur Beantwortung der dritten und letzten Frage, die uns hier beschäftigt: „Welches Verhältniß herrscht zwischen Almosengeber und Almosenempfänger oder wie sollen wir geben? Wer heutzutage in den öffentlichen Blättern bei den zu wohlthätigen Zwecken veranstalteten Kollekten den langen Namenslisten mit genau vermerkten Beiträgen begegnet, wird den humanen Bestrebungen der Gegenwart mit aufrichtigem Herzen feine Anerkennung zollen. Aber unwillkürlich drängt sich die Frage auf, wie viele Beiträge bei geringerer Oeffentlichkeit ganz fehlen würden oder doch geringer ausgefallen wären. Das ist eine Thatsache, die noch Niemand bestritten hat. Aber das ist nicht der frische, kräftige Zug der Menschenliebe, die Gott uns in's Herz gepflanzt, das ist nicht mehr der ursprüngliche, warme Gottesfunke, der im Herzen zündet. In der jüdischen Armenpflege, wie sie sein soll, wie sie immer gewesen und gottlob wohl auch an vielen Orten noch ist, wird es als die höchste, verdienstvollste der Gabe gepriesen, wenn Geber und Empfänger sich gar nicht kennen.