Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 64)
- Language
- German
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44 gesehen, wie an den Besitz eines gewissen Vermögens die Forderung der Selbstthäligkeit und die Selbsternährung geknüpft wird, wie Simulationen und ungeziemendes Fordem gerügt werden. Aber die jüdische Armenpflege bleibt bei dieser negativen Ermahnung nicht stehen, sie spricht es allerorten und zu wiederholten Malen aus, daß man sich lieber die größten Entbehrungen auferlegen solle, um nicht der Almosen zu bedürfen; das niedrigste Gewerbe sei ehrenvoller,, und es gibt eine Menge talmudischer Sprichwörter, in denen sich der Werth des Handwerkes und einer regelmäßigen Beschäftigung ermunternd ausspricht. Als höchsten Grad der Mildthätigkeit stellt das Gesetz die Forderung hin, demjenigen, dem Verarmung droht, vor dem Falle zu bewahren und ihm auf eine geeignete Weise die Gelegenheit zum Selbstuuterhalt zu ermöglichen, wie überhaupt bei jeder Unterstützung auf Würdigkeit des Empfängers Rücksicht zu nehmen ist. Dies führt uns daraus, in wenigen Worten das Verhältniß zu besprechen, in welchem die jüdische Armenpflege zum gewerbsmäßigen, vagabundirenden Almosennehmen, zum Bettel, steht. Das Betteln ist so alt wie die Armuth, wie die Noth. Schon bei Homer findet sich in der Person des Arnaos oder Iros ein Bettler von Profession, und ebenso tritt Odysseus bei seinem Widererscheinen in Jrhaka in Gestalt eines alten Bettlers auf, in Lumpen gehüllt, mit einem Bettelstab in der Hand und einen Ranzen mit einem Strick um den Lsib befestigt. Jnglechen begegnen wir bei dem Satyrikcr Martial der Schilderung eines Bettlers: „ohne Rock, mit langem Barte, ein bissiger Köter, ein Ranzen." Eine nicht seltene Art des Bettelns bestand auch darin, daß man unter dem Vorgeben. Schiffbruch gelitten zu haben.