Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Simulationen, d. h. erkünstelten Gebrechen und angeblichen Kranken gegenüber, begnügt sich die jüdische Armenpflege mit der drohenden Warnung, daß ein Solcher nicht eher aus -er Welt zu scheiden verdiene, bis ihn sein fingirtes Leiden .auch wirklich betroffen: und es zeigt sich eine noch gemüthlichere Auffassung der Sache, wenn wir der Meinung begegnen, man sei solchen Betrügern gewissermaßen zum Danke verpflichtet, denn ohne die durch sie gebotene Möglichkeit, .auch von einem Nichtbedürftigen angesprochen zu werden, könnte man leicht durch eine, wenn auch gerechtfertigte Verweigerung der Gabe sich versündigen. Die Mildthätigkeit, nach jüdischer Anschauung, eine -er drei Säulen, auf denen die sittliche Weltordnung ruht, offenbart sich, im Iudenthum einen durchwegs religiösen -Charakter tragend, als Abbild der göttlichen Liebe, und geht als solches selbstverständlich über die engen Grenzen des «eigenen Volksstammes hinaus; sie reicht allen Bewohnern der weiten Gotteserde die stützende Bruderhand. Die Abgeschlossenheit des jüdischen Gesetzes der nichtjüdischen Welt gegenüber, geht hier in die rein menschliche Empfindung auf. „Selbst der Götzendiener hat Anspruch auf deine Gabe, wegen des friedlichen Verkehrs." sagen sie „Darke Schalom." Aber nicht wegen des irdischen Friedens hieniden, sagt der große Maimonides, sondern nur des Friedens willen, der die Pfade der Thora füllet. (Derokeha darke Schalom), d. h. um der göttlichen Liebe willen. Dagegen würde man sehr irren und den die jüdische Armenpflege beherrschenden Geist geradezu verkennen, wenn man annimmt, daß sie durch dieses weit ausgedehnte Armuthsbürgerrecht. wenn man sagen darf, das Almosennehmen bezweckt oder auch nur begünstigt hat. Wir haben schon