Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-2609302--5692-2613044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
41 wegs ausgemacht, daß sie nur für Arme bestimmt gewesen, und noch unsicherer ist die Vermuthung, daß notorisch Arme das Getreide umsonst erhalten Haben. Die am Cerestempel übliche Brotspende beschränkte sich auf die zu. diesem Exile Geflüchteten. Wohl mag auch private Wohlthätigkeit mitunter vorgekommen sein, obwohl auch schon in ,jener. Zeit über Hartherzigkeit und Knickerei der Neichen. geklagt; wird. — Aber von einer eigentlichen oder gar geordnetenArmenpflege in unserem Sinne, kann durchaus keine Rede sem>!. r Fast ebenso sah es in Griechenland, dem Haüptsitze der klassischen Kultur aus. In Sparta dachte man so wenig! daran, auf Arme eine Rücksicht zu nehmen, daß, wer seinen monatlichen Beitrag zu der bekannten Blutsuppe nicht entrichtete. selbst hiervon ausgeschlossen wurde. In Athen fanden gerade wie in Rom öffentliche Schenkungen (Diadoseis) statt, die als der eigentliche Kitt der Demokratie bezeichnet werden, da das souveraine Volk hier geradezu seine Gunst und Stimme verkaufte. Der Besuch der Volksversammlungen, in denen alle öffentlichen Angelegenheiten verhandelt und entschieden wurden, ward förmlich bezahlt, und diese Prämie später noch erhöht. „Sonst, da der Ekklesiast ld. i. Besucher der Volksversammlung) nur einen Obolus (Groschen) erhielt, „sagt Aristophanes", saßen die Leute und schwatzten; jetzt, da sie drei Obolen empfangen, drängen sie sich hinzu, sie reißen sich gleichsam darum." Dagegen begegnen wir hier der von Solon angeordneten Unterstützung derjenigen Bürger, welche wegen körperlicher Gebrechen oder Schwäche ihren Unterhalt zu erwerben unfähig waren. D-ese Anordnung war, wie gesagt, da die Barmherzigkeit keine hellenische Tugend ist, nur den Athenern eigen, wie jene andere, die Kinder der im Kriege Gefallenen