Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 60)
- Language
- German
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40 die Betrachtung der entsprechenden Bestimmungen in Rom und Griechenland in das rechte Licht gesetzt werden kann. Die Armenverhältnisse in Rom sind, zusammenhängend mit der ungleichen Vertheilung der politischen Rechte und in Folge des harten Schuldrechtes, fast die ganze Zeit der Republik hindurch das treibende Element der Entwicklung. Die eigentümlichen Verhältnisse des römischen Staates und der römischen Stadt ließen die Zahl der Armen in's Ungeheure anwachsen, und die Art und Weise, wie für dieselben gesorgt wurde, diente gerade dazu, diese Zahl noch zu vermehren. Denn ursprünglich suchten ehrgeizige Nobiles durch verschwenderische Schenkungen <Largitionen), sich einen Anhang zu verschaffen; gar bald aber wurden sie genöthigt, diesen Anhang, der noch durch ein beträchtliches Kontingent von Tagedieben aus allen Theilen des römischen Reiches verstärkt wurden, förmlich zu unterhalten. Als aber Popularität anfing, nicht nur unnütz, sondern sogar gefährlich zu werden, wurde die Fütterung dieses städtischen Pöbels eine siscalische Last für den Staat, die ungeheure Summen verschlang, aber unvermeidlich war, weil die Ruhe und Existenz des Staates davon abhing. Dieser staatliche Nothstand ist also nichts weniger als eine Armenpflege. Aehnlichen Charakter tragen die übrigen im Interesse des Volkes oder vielmehr der Volksführer stattfindenden Largitionen, als da sind: öffentliche Spiele, Gastmähler, Kämpfe u. dgl. und nur die seit alter Zeit üblichen, von Julius Cäsar geregelten Getreidevertheilungen könnten hier in Betracht kommen. Aber von dieser rein staatsökonomischen Maßregel, die der Steigerung der Getreidepreise Vorbeugen sollte und allerdings das Getreide zu einem ziemlich mäßigen Preise ermöglichte, dadurch aber auch den Verkauf monopolifirte. ist es keines-