Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 59)
- Language
- German
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39 ge ten. Aber hieraus entgegnen wir zweierlei. Einmal können wir hierin nur den urspründlich jüdischen Zug und jüdische Anschauung wieder erkennen. Diese Sprüche ertönen nur aus jüdischem Munde. Hatte doch der begabteste Apostel der neuen Lehre selbst zu den Füßen Rabbi Gamliels gesessen, Zweitens aber, haben sie eine Jdealisirung menschlicher Denk- und Handlungsweise zur Voraussetzung, deren Ausführbarkeit an den realen Verhältnissen selbst der glücklichsten Zeitalter zu scheitern droht, ein Urtheil, dem jeder Unbefangene verpflichtet, der mir jenen Schriften eine gewisse Vertrautheit besitzt. Fehlt es doch auch dem späteren Judenthum nicht an solchen, wenn auch vereinzelten Armenpredigern und Armuthsaposteln. Davon zeigt u. A. das zur Zeit des Talmud geläufige Sprichwort: „Die Armuth steht einem Juden so hübsch an, wie ein rother Zaum einem weißen Pferde". Dies beiläufig. Kehren wir zu unserem Thema zurück. Wie überall, wird auch die Armenpflege im Judenthum sich unter die drei Fragen rubriziren lassen: 1. Wer ist als arm zu betrachten und hat als solcher Anspruch auf Unterstützung? 2. Wem liegt die Verpflichtung zur Armenunterstützung ob und in welcher Weise soll dies geschehen? 3. Welches Verhältniß herrschte zwischen Almosengeber und Atmosenempfänger, oder: von welchem Geiste ist die Armenpflege beseelt und belebt? In der Antwort, die uns die Armenpflege im Judenthum auf diese drei Fragen ertheilt, ist die klarste Motivirung des Urtheils enthalten, das wir über dieselbe gefällt, ein um so beachtenswertheres Urtheil, als es erst durch