Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 53)
- Language
- German
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33 sagen wir, bei der Anciennität der Armuth naturgemäßer und vielleicht auch anziehender, weil mit den Neigungen der Menschen übereinstimmender, eine Geschichte des Reichthums zu geben, und die Mittel und Wege auseinanderzusetzen, wie man zu Reichthum gelangt. Denkt doch der Arme daran reich zu werden, und der Reiche — seinen Reichthum zu vergrößern. Aber in strenger Konsequenz des Gesagten haben wir uns und hat sich jede Zeit und jedes Volk und jede Gesetzgebung mit der Frage zu befassen, wie Angesichts der einmal unvermeidlichen Armuth dahin zu wirken sei, daß nicht das ganze Staatswesen dem Pauperismus, d. i. der Massenarmuth anheimfalle, also welche Präventivmittel geboten sind, und zweitens, wie der vorhandenen Armuth einigermaßen abzuhelfen, wie sie zu lindern sei, also Palliativmittel. Bei Erörterung dieser Fragen ist überdies genau zu erwägen, ob noch andere als diese rein staatlichen Rücksichten uns die Pflicht unterlegen, Arme zu unterstützen, und von welchem Geiste eine solche Armenpflege durchdrungen und belebt sein müsse. Da, wie gesagt, diese Frage seit Jahrtausenden auf der Tagesordnung der Weltgeschichte steht, und gar mannigfache Behandlung erfahren hat, so möchte ich an dieser Stelle vor Allem den Geist und die Prinzipien zu erläutern versuchen, nach denen sich die Armenpflege im Jud enthum seit dem Zeitalter der Mischnalehrer gestaltet hat. Zum besseren Verständniß und zur gerechteren Würdigung unseres Gegenstandes wird eS aber unerläßlich erscheinen, auch auf die gleichzeitigen Institutionen des Atterthums, namentlich in Rom und Griechenland, vergleichend hinzuweisen. 3