Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 46)
- Language
- German
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26 während im Abendlande Spinoza einen eigentümlichen von der Kabbala nicht unberührten Pantheismus lehrte, hat in jüdischen, christlichen und mohammedanischen Kreisen zu seiner Zeit viel von sich reden gemacht. Er oder seine Anhänger behaupten mit unerschütterlicher, einer besseren Sache würdigen Ueberzeugung, die Welt der Gottesordnung (Olam ha Tikkim) welche die Kabbala lehrte, sei mit ihm angebrochen, die Gesetze des Judenthums, nicht blos die rituellen, sondern auch die ehegesetzlichen, seien damit aufgehoben und außer Verbindlichkeit gesetzt. Er fand nicht blos unter den asiatischen und afrikanischen, sondern auch unter den europäischen Juden einen so blinden Glauben, daß selbst, nachdem er das Judenthum abgeschworen und den Turban genommen hatte (1666), seine Jünger seine Verherrlichung und die messianische Erlösung hofften. Der Wahn ist wie die Liebe blind, sieht die Fehler gar nicht oder sucht sie zu entschuldigen, wonicht gar als Tugenden zu deuten. Auch an Sabbatai Zevi fanden seine Gläubigen jeden Zug typologisch gerechtfertigt, selbst seinen Abfall vom Judenthum. Das Alles mußte so kommen, damit das und das in der Bibel oder im Sohar sich erfülle. Seine Anhänger, die Sabbatianer oder Schebs, hielten sich noch lange nach seinem Tode als eine eigene Sekte, welche ein buntscheckiges Bekenntniß von Elementen aus dem Juden--- thum und Christenthum und allenfalls auch aus dem Islam hatte. Der letzte Ausläufer der kabbalistisch-messianischen Schwärmerei war der geniale junge Dichter Mose Haim Luzzato aus Padua (Anfang des 18. Jahrhunderts). Solche Verirrungen hat der Meffiasglaube zu Wege gebracht und wir sind noch nicht sicher, ob sich nicht in unserer Zeit im Schooße der modernen Soharisten, unter den