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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 23

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 23 (sequence 43)
Language
German
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23 Höchst wahrscheinlich hing der Messias von Cisneros (um 1400), dem der geniale Chasdai Crescas das Wort geredet haben soll, mit der Kabbala zusammen. Diese hatte sich der Messiasidee als ihrer Domäne bemächtiget und anmaßend wie jede Ultrarichtung, welche das credo quia absurdum (ich glaube eben, weil es dumm ist) zum Prinzips hat, verketzerte sie jeden Denker mit Schmähungen. Dieses Gebühren reizte den philosophisch gebildeten spanischen Prediger Joseph Albo (1432) zur Auseinandersetzung, daß der Messiasglaube keineswegs ein Fundamentalartikel oder ein Dogma im Judenthum sei, daß er vielmehr lediglich eine Ueberlieferung sei, und daß der Unglaube an der Ankunft des Messias keineswegs Ketzerei sei, indem ja Talmudwei.se selbst es in Abrede gestellt haben. Das war ein kühner Allsspruch zu Albo's Zeit. Freilich wurde Joseph Albo dafür verketzert, aber nicht von seinen Zeitgenossen, sondern von einem später lebenden Ueberzeugungsgenossen, von dem berühmten Isaak Abrabanel. Dieser geniale Staatsmann, auskunstsreiche Finanzminister und fruchtbare Schriftsteller, erlebte das grausige Elend der Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal und die unsäglichen Leiden, welche die Ueberbleibsel auf ihrer Wanderung trafen. Er selbst und seine Familienglieder wurden hart davon betroffen. Er sah die Verzweiflung der Ueberlebenden, welche es zwar verschmäht hatten, durch Abfall und Verrath sich eine behagliche Existenz zu schaffen und trotz aller Nöthen ihr^m Bekenntniß treu blieben, aber doch jede Hoffnung für den jüdischen Stamm ausgegeben hatten. Um nun den gesunkenen Muth seiner Leidensgenoffen wieder aufzurichten, beschäftigte sich Abrabanel eingehend mit der Messiasfrage und verfaßte drei Werke

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