Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 42)
- Language
- German
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22 dann . unverändert bleiben, nur die Feindseligkeit gegen Israel werde aufhören. Die prophetischen übernatürlich klingenden Verheißungen seien lediglich als Allegorien anzusehen. Das war aber den Mystikern zu stark und streifte in ihren Augen an Ketzerei. Nach der Kabbala gipfelt das ganze Judenthum im Messiasthum. Der Messias werde nicht blos die irdische Befreiung des jüdischen Stammes, sondern auch die seelische Erlösung der Menschen herbeiführen. Die Seele des Messias, welche in der Präexistenz in einem eigenen Seelenraum, dem Vogelneste, vorhanden ist, werde ganz zuletzt in der Stufenreihe der Geburten in die irdischen Welt, in die Leiblichkeit, eingehen. Dann werde das große Jubiläum anbrechen, und der Kreislauf der Seelenwanderung jener Menschen, welche in ihrem irdischen Leben ihr Ziel nicht erreicht oder ganz verfehlt haben, werde geschlossen sein. Der Messias, obwohl urweltlich vorhanden, werde die letzte Geburt sein. Allsogleich traten kabbalistisch-meffianische Schwärmer auf: der Spanier Abraham Abulafia (1285—1290) in Sicilien mit dem Hintergedanken einer feindlichen Stellung gegen das talmudisch - rabbinische Judenthum; ein anderer in Avila und ein dritter in Ayllon (Spanien). Nun kam noch Mose de Leon, der Verfasser des Sohar hinzu, welcher die kabbalistische Mystik noch mehr sublimirte, Berechnungen der Zeit, in welcher der Messias erscheinen müsse, wieder in Schwung brachte, und sich selbst eine mesfianische Rolle zutheilte. In der Regel fielen gerade in den Jahren, welche von den Kabbalisten ganz bestimmt als messianische voraus verkündet wurden, grausige Verfolgungen der Juden vor.