Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 38)
- Language
- German
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18 als von jeher vorhanden vor, der seinen Sitz in der Welt- Hauptstadt Rom unter den Aussätzigen habe, selbst mit Aussatz behaftet sei, und jeden Augenblick erwarte, seine Sendung auszuführen. Diese mystische Präexistenz des Messias gaben wieder Andere nicht zu, sondern stellen sich den Vorgang so vor: daß Gott ihn zur Zeit des Bedürfnisses erst schaffen werde. Freilich beruht die überschwengliche Verherrlichung des Messias auf mißverständlicher Schriftauslegung. Während ein Agadist (Homiletiker) ihn nur mit Mose parallelisirt, stellt ihn ein anderer nicht bloß über Abraham und Mose, sondern auch über die Engel.Allein je mehr der Messias glorificirt und sublimirt wurde, je weniger paßten andere Schilderungen der heiligen Schrift auf ihn, daß er z. B. einem Kriegsheere vorstehen, ja daß er erliegen und vom Schwert durchbohrt werden würde. Die phantasiereiche agadische Mythenbildung kam aber deßwegen nicht in Verlegenheit; sie erfand einen zweiten Messias, einen Messias aus dem Stamme Josef oder Ephraim, der Kriege führen, die Bahn für das Erlösungswerk ebnen und dann dem Tode verfallen werde, neben dem Messias aus dem Hause David, der in erhabener Majestät in den Wolken erscheinen, das Friedenswerk vollbringen und sogar den gefallenen Messias wieder aus dem Tode auserwecken werde. Manche Züge lassen in Ungewißheit darüber, ob sie eigene Erfindung oder Nachahmung der christlichen Anschauung vom Mesfiasthum sind. Wenn die messianische Zeit anbrechen soll, muß vorher der Erzfeind des Judenthums, das sündhafte Rom, (sei es in seinem Ursitze an der Tiber oder in seinem Stellvertreter, in Byzanz) besiegt werden Diese Aufgabe wurde dem Messias aus dem Stamme Joseph zugetheilt. Rom wird ferner von der agadischen Mes-