Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 37)
- Language
- German
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17 Dann vergingen wieder Jahrhunderte, ohne daß ein messianischer Versuch gemacht wurde. Es wurde nun allerhand Berechnung nach den Daniel'schen Jahreswochen angestellt, um die messianische Zeit zu fixiren. Bald hieß es: Die messianische Zeit werde mit dem Ablauf des vierten Jahrtausends (240 der gewöhnlichen Zeitrechnung) beginnen. Als auch dieses Jahr sich nicht bewährte, hieß es wieder, der Messias werde mit dem Ende des vierten Jahrhunderts nach der Tempelzerstörung oder 4231 Jahre nach der Weltschöpfung (468—471) erscheinen oder die Zeit werde sich bis zum Jahre 4291 nach der Weltschöpfung (631) hinziehen. Andere tadelten wieder solche Vorausbestimmungen, weil sie nur geeignet seien, den Muth des Volkes zum Ausharren zu brechen. Noch Andere, wie Hillel (wohl der von Kaiser Julian geschätzte Patriarch Hillel, um 360) sprachen es aus: Die Prophezeiung in Jesaias vom Messias bezöge sich auf den König Ezechias. Das israelitische Volk hätte diese Verkündigungen bereits verzehrt. Nicht einmal die vom Kaiser Julian so eifrig bet iebcne Wiederherstellung des Jerusalemer Tempels fachte messianische Regungen an. Inzwischen bildete sich in der talmudischcn Zeit eine eigene Messianologie aus, welche die Stufenleiter von der nüchternsten rationalistischen Ansicht bis zur mystischen Glorifikation durchläuft. Der babylonische, amoräische Weise Samuel (200— 258) sprach es ohne Scheu aus, daß in der messianischen Zeü keine Wunder statifinden und keine übernatürlichen Vorgänge vorfallen würden, sondern sie werde lediglich Israel von der Unterihänigkeit unter den Völkern befreien. Dagegen stellte sich sein Zeitgenosse Josua b. Levi den Messias