Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 36)
- Language
- German
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16 fahren? Schon das zweite Geschlecht nach der Tempelzerstörung — nach Verlauf eines halben Jahrhunderts — griff wieder zu den Waffen, allüberall wo Juden in großem Massen zusammenwohuten, in Babylonien, Egypten, Cypern und auch im Heimatlande, um das Joch der Römer abzuschütteln und wieder einen unabhängigen Staat mit einem Tempelmittelpunkte zu gründen. Und die Patrioten, obwohl hier von Busios Qnintus und dort von Martins Turbo, Trajans Feldherren, geschlagen, flößten dem schwachen römischen Kaiser Hadrian so viel Respekt ein, daß er den Juden Konzessionen zu machen gezwungen war. Siebzehn Jahre später (135) stand, ohne daß die Römer eine Ahnung davon hatten, eine jüdische Armee von Hunderttansenden zum Kampfe gegen das sündhafte Rom gerüstet, und an ihrer Spitze ein Held, der Muth mit Kriegskunst verband. Bar-Kosiba, der Schrecken Hadrians und der römischen Legion, trat so gewaltig auf und erweckte so viel Hoffnungen, daß der angesehenste Gesetzeslehrer der Zeit, der große Rabbi Akiba, der Erhalter und Förderer des Judenthums, ihn als Messias anerkannte, auf ihn den Schriftvers anwendend: „Ein Stern ist aus Jakob aufgetreten" und ihm den Beinamen Bar-Kochba (Sternsohn) beigelegt hat. Das Merkwürdige dabei ist, daß Rabbi Akiba nicht nach der Genealogie des Messias-Königs Bar-Kochba gefragt hat! Aber auch Bar-Kochba bewährte sich nicht; er erfüllte keineswegs die messianische Hoffnung, brachte vielmehr neues Elend über die kaum von ihren Wunden genesene Nation. Hinter den Mauern Betars fand er seinen Tod und mit ihm Tausende seiner Krieger. Es dauerte lange, bis sich die Ueberbleibsel wieder sammeln und konzentriren konnten.