Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 286)
- Language
- German
- Belongs to
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162 „Warum nicht jetzt?" sagte Chaje, die grauen scharfen Augen auf ihn richtend. „Du weißt, wir stehen am Eingänge des Jom Kippur, da muß man sich eilen, daß man in das Thor kommt, bevor man es schließt. Und gerade, wenn man etwas auf dem Herzen hat, so soll man es sich vor diesem großen Tage herunterreden." Zender versuchte etwas zu reden; aber es klang ganz unverständlich. „Komm', Chaje", rief er endlich mühsam, indem er sich erhob. „Mit dir. das weiß ich noch aus früherer Zeit, muß man ganz besonders umgehen." „Perlchen, mein Kind, bleib indessen hier, bis ich mit deinem Vetter mich ausgeredet habe", sagte. Chaje. Jetzt erst hob Zender seine Augen auf und richtete sie auf das Mädchen, das sittsam an der Thüre stehen geblieben war. Eine Leichenblässe bedeckte sein Antlitz. — In einer dritten Stube angelangt, fragte Zender: „Was willst du, Chaje?" „Verriegle erst die Thüre!" gebot die alte Annehmerin. Wieder verirrte sich ein mühsames Lächeln auf die dünnen Lippen Zenders. „So überaus wichtig ist das, was du mir mitzutheilen hast?" „Ich habe nur eine Frage an dich. Zender," sagte Chaje, indem sie sich niedersetzte, „und die muß vor Jom Kippur beantwortet werden." „So rede!" sagte Zender, schwer aufathmend. Chaje schwieg eine geraume Weile. „Ich will, dich nur fragen, Zender," sagte sie dann mit feierlichem Nachdrucke jedes ihrer Worte betonend, „ob