Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 275)
- Language
- German
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251 „Um Gottes Willen red' nicht weiter, und verstumm lieber, ehe du deine Lippen wieder aufmachst," rief die alte Chaje in namenloser Aufregung. Du versündigst dich, und bringst auch mich in eine Sünde, wie du nur daran denkst, einen Namen zu nennen." Perlchen begann zu weinen. „Habe ich nicht auf dein Geheiß meines Vetters Marianne die Freundschaft aufgesagt?" sagte sie, „hast du gesehen, daß ich ein Wort mit ihr geredet habe, seitdem du es mir verboten hast?" Das Wesen der alten, sonderbaren Frau Hub sich unter diesen Worten, als würde es von gewaltigen Fittigen erfaßt. Ihr Antlitz hatte in diesem Augenblicke einen Ausdruck, den man nie und nimmer der herben und vergällten Annnehmerin zugetraut hät^-sie sah jünger aus, dabei waren ihre scharf ausgeprägten Züge von einer feinen durchsichtigen Röthe überflogen. Perlchen meinte, niemals eine schönere alte Frau gesehen zu haben. „Perlchen, mein Kind," sagte sie, und jeder Ton ihrer Sprache verrieth, daß er sich den unnahbarsten Tiefen ihres Gemüthes entrang. Sie hatte die Hand auf den Kopf des Mädchens gelegt, und sah ihr durchdringend, jedoch ohne Aufregung in die Augen. „Perlchen, von heute an, mache ich mein Verbot zu Nichte, du kannst mit ihr umgehen, wo und wie es dir gelüstet, und brauchst dich nicht zu kümmern, ob sie mich Chaje mit der Thür heißt, oder mir einen andern Namen gibt. . . . „Ist das dein Ernst?" „Du weißt, Chaje hat niemals einen Spaß verstanden!" Ahnte das Kind, daß das Wesen der alten Frau in diesem Augenblicke von dem hohen Gedanken der Gotteshei-