Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 274)
- Language
- German
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250 umklammerte die Hände des Mädchens und rief mit Tönen 'des tiefsten Entsetzens: „Perlchen mein Kind, ich glaub', ich werde sterben. Ich sühl's schon, wie mir der Tod vom Herzen heraus kommt. Dann wirst du allein auf der Welt dastehen, und ich werde allein in der Erde liegen. Aber ich will noch nicht sterben, ich darf nicht, . . . und Gott läßt noch immer auf sich warten. ..." Allmälig beruhigte sie sich wieder; ihr Auge verlor den schreckhaften Glanz. „Perlchen," sagte sie, das Haar und die Wangen des Mädchens streichelnd, erinnerst du dich noch an jene Nacht, wo ich dir von dem Stück Gold erzählte, was dein Vater, mit dem der Friede sei, einmal gefunden hat, und wie er's auf die Thür geschrieben hat, um den Ort, wo er es versteckt hat, nicht zu vergessen? „Als wenn es heute geschehen wäre." „Damals habe ich dir gesagt, ich könnt' den Ort nicht auffinden, wie ich auch forsche und suche, weil Einer die Schrift ausgelöscht hat von der Thüre. Soll ich dir etwas verrathen? Von heute an kenne ich den Ort, und weiß auch, wer die Schrift deines Vaters ausgelöscht hat. . . „Ich weiß es auch," sagte Perlchen tonlos. „Lebendiger, großer Gott! was sagst du da?" schrie die alte Frau mit dem ganzen Aufgebot ihrer tief leidenschaftlichen Natur. Drohend, hoch aufgerichtet, mit brennenden Augen stand sie vor dem Mädchen da. Seltsamerweise zeigte sich Josels Kind in diesem Augenblicke nicht erschreckt. Es sagte: „Ich habe ihn schon damals errathen."