Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 268)
- Language
- German
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244 hatte, blieb sie gegen ihre Gewohnheit am Bette sitzen, anscheinend in tiefe Gedanken versunken. Plötzlich sagte sie: „Perlchen, ich habe noch mit dir etwas zu reden. Schlaf nicht ein." Die Stimme der alten Frau zitterte vor innerer Bewegung, die sonst so sicher und muthig klang. „Soll ich dir sagen, Perlchen, warum sie mich Chaje mit der Thür' heißen?" Das Kind öffnete trotz seiner Schlaftrunkenheit die großen, glänzenden Augen und richtete sie fragend auf das Antlitz der Pflegemutter. „Ich will dir das jetzt sagen, Perlchen." fuhr sie fort, „und ich glaube auch, du wirst mich verstehen. Dein Vater, mit dem der Friede sei, war ein armer Mann, aber einmal hat er etwas gefunden, ich glaube, es war ein Stück Gold, und damit er es nicht wieder verliere, hat er es irgendwo an einem versteckten Orte aufgehoben; auch hat er mit Kreide aus die Thüre geschrieben, wo es zu finden sein wird, wenn er den Ort einmal vergessen sollte. Weißt du noch, Perlchen, die Stube, wo du früher gewohnt hast, und die Thür' dort? ..." Das Kind nickte bejahend mit dem Kopfe. „Also wie dein Vater, mit dem der Friede sei, im Sterben war, da hat er nur mir allein anvertraut, daß dort auf derselben Thüre ausgeschrieben steht, wo er sein Stück Gold aufgehoben hat. Wie ich aber zu der Thüre hingehe, und will Nachsehen, was dein Vater dort hat ausgeschrieben gehabt, was meinst du, Perlchen, habe ich dort gefunden? Nichts, gar nichts; alles war ausgelöscht, und darüber ist dein Vater gestorben."