Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 266)
- Language
- German
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242 Idee der alten Frau nur eine mitleidige Miene, oder meistentheils ein rohes Gelächter, und bald hieß es nicht mehr, die Annehmerin, sondern „Chaje mit der Thür" als ob die alte Frau nie einen andern Namen getragen hätte! Chaje nämlich ruhte nicht; sie forschte und fragte, und wo ihr irgendwo ein Licht erschien, das ihr auf die Spur des Zusammenhanges der Thüre mit den letzten Worten Josels verhelfen konnte, daraus ging sie mit einem Eifer zu, den selbst die Jahre nicht zu ermatten im Stande waren. Bald vorsichtig, bald leidenschaftlich verfolgte sie ihr Ziel, das aber, je näher sie ihm zu kommen glaubte, schattengleich schwand. Und ein Schatten von einem Schatten war es, wenn sie die Leute fragte, ob sie nicht wüßten, daß Josel irgend ein Vermögen hinterlassen habe, ob sie nicht erfahren hätten, daß ihm Jemand etwas schuldig geblieben? „Was fragst du mich," hieß es dann gewöhnlich, „frag' doch lieber seinen Bruder Zender, der muß dir die beste Auskunft geben können." „Zender weiß von nichts," bemerkte sie dann mit einer gewissen lauernden Miene, „und er ist selbst ein armer Mann." Seltsam! Die Ueberzeugung im Herzen hegend, daß der Bruder Josels eine Gewissensschuld in sich trage, hatte ihr Mund doch Scheu den Verdacht auszusprechen, der lichterloh in ihrer Seele brannte. Einmal entfesselt, wußte sie, ließ sich die Flamme nicht mehr bändigen; sie ergriff nun Alles, was ihr im Wege stand, und das konnte und durste sie um „des göti> licheu Namens" willen nicht zugeben; die Sünde wäre dann auf ihr Haupt zurückgefallen.