Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 260)
- Language
- German
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236 den Boden setzte. Kann ich denn überhaupt daran denken, etwas anzusangen? Ich meine, du sollst das einsehen." „Ich versteh' dich nicht Zender," sagte Chaje ganz verwirrt. „Du hast ja selber Kinder gehabt Chaje," meinte Josels Bruder, „und da wirst du wissen. . „Ich habe keine Kinder gehabt," ries die alte Annehmerin mit einer gewissen schmerzlichen Herbigkeit. „Was thut das auch zur Sache?" meinte Zender, „aber so viel wirst du doch wissen, daß, wenn man schon sechs Kinder sein eigen nennt, die alle gesunde und srische Mäuler haben, so macht ein siebentes, was dazu kommt, schon einen großen Unterschied." „Ich möcht' so etwas nicht zählen." sagte Chaje aufs Neue durch die Reden Zenders in Verwirrung gebracht. „Ich mein' nämlich, wenn Gott Einem den Segen ins Haus stellt, so darf der Mensch es sich nicht beifallen lassen nachzusehen, ob's nicht zu wenig ist. So ist es mit Kindern. Wie du sie zählst, so zählt sie dir Gott nach, und ehe du dich umsiehst, kann dir Eines oder das Andere fehlen." „Gott soll mich behüten und beschützen." rief Zender erschrocken. „Was redest du da Chaje, und wie kann dir nur einsallen, daß mir meine sechs Kinder zu viel sind?" In der Seele der alten Chaje begann von diesem Augenblicke an ein eigenthümliches Gedankenleben; wie aus der Tiefe eines Brunnens, kamen allmälig Helle Lichter an die Oberfläche ihres Denkens; es war ihr, als hätten unsichtbare Stimmen aus weiter Ferne ihr zugerufen, von nun an die Worte dieses Mannes wie ein angezweifeltes Gewicht -auf der feinsten Wage zu prüfen!