Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 254)
- Language
- German
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230 zerrte; alle Schrecken des Todes lagen darauf. Die Augen waren mit entsetzlicher Erweiterung aus ihren Höhlen getreten. „Die Thür," schrie er krampfhaft, „die Thür" •— Die alte Chaje sucht ihn zu beruhigen, aber die Aufregung des Sterbenden wuchs immer mehr. „Das Kind hat ja nichts . . . ohne Thür", knirschte er zwischen den Zähnen, und suchte sich, todtschwach wie er war, im Bette auszurichten. Dann schloß er die Augen, und lag einige Minuten in anscheinender Regungslosigkeit da. Mit einem Male öffnete er wieder die Augen, sie waren klar und schon glaubte Chaje, die Besinnung sei dem Kranken wiedergekehrt. Als sie aber seine Hand faßte, strömte ihr eine eisige Kälte entgegen. „Chaje," sagte plötzlich Jose! mit gänzlich veränderter Stimme, denn sie klang voller und kräftiger, als sie sie jemals vernommen. „Chaje, gib mir deine Hand darauf, du wirst mein Kind nicht vergessen, denn man nennt dich nicht umsonst die Annehmerin. Vor Allem aber gib Acht auf die Thür . . . man hat mir groß Unrecht gethan . . . die Thür ..." Roch ehe er den Schlußsatz vollenden konnte, war er todt. Anfangs war die alte Chaje trotz ihrer starken Natur aufs Aeußerste erschrocken. Sie hatte zwar ihren „Sarwer" sterben gesehen; aber wie ganz anders waren die letzten Augenblicke dieses seinen und wohlerzogenen Menschen, verglichen mit denen, die sie soeben erlebt hatte? Sie hatte ein Vermächtniß vernommen, —hatte es ihr der Fiebertaumel eines mit dem letzten Strohhalm des Daseins Ringenden zugerufen? Sie fühlte etwas wie kalte Schauer über sich hinrieseln; aber die alte Chaje war kein Weib der Furcht. Sie