Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 252)
- Language
- German
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228 nicht zurück. Sie trieben in Gemeinschaft mit einander einen Handel mit „Schnittwaaren" in das ferne Gebirge; Niemand wußte, wie es mit ihnen stand. Schweigsam wie sie beide waren, verriethen sie sich mit keinem Worte und keiner Geberde und wurden daher vielleicht mit Unrecht für „Mins" gehalten, die der Welt Sand in die Augen streuen wollten. Namentlich den älteren der Brüder, Zender, hielt man dafür; er hatte sich einmal in einer unbewachten Stunde geäußert, er halte nichts eher von sich, als bis es ihm gelungen, den „Ständer" seiner verstorbenen Mutter, der in der vordersten Reihe der Weiberschul' gestanden und aus Noch hatte verkauft werden müssen, wieder an seine Familie zurückzubringen. Seit dieser Aeußerung waren Jahre verstrichen, und der „Ständer" befand sich noch immer in fremdem Besitze. Die beiden Brüder lebten übrigens in innigster Gemeinschaft; nie sah man Einen ohne den Andern; sie hatten in der Synagoge ein Betpult zusammen, und zusammen gingen sie auf ihre Wanderungen; wenn Einer über den Andern sprach, so meinte man stets einerlei Rede zu hören; bis auf einzelne Ausdrücke glichen sie sich darin. Nie kam ein Mißton in diese brüderliche Harmonie; und namentlich von dem Jüngern, der kurzweg „Josel" hieß, ging in der Gaffe die Sage um, er sei einmal eine ganze Woche krank gelegen, weil sein Bruder Zender vergessen hatte, ihm „guten Sabbat" zu wünschen. Ueberhaupt stand auf Seiten des Letzteren die überlegene Kraft; er beherrschte den jüngern Bruder vollständig und Josel fiel es nie ein, über irgend eine Anordnung im „Geschäfte", Rechenschaft zu verlangen. Josels Vertrauen in den Verstand seines Bruders ging so weit, daß er die Notwendigkeit eines Buches, worin sein „Soll" und sein „Haben" verzeichnet stand, gar nicht einsah, und nicht etwa darum, weil er seinem